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Besser lernen mit Geräuschen?

September 29, 2010

Als ich das heute Morgen las kam mir das sehr bekannt vor:

Besser Lernen durch Hintergrundrauschen

Eigentlich – meint man – braucht man zum Lernen oder bei geistiger Arbeit möglichst viel Ruhe. Eine Studie hat allerdings ergeben, dass ein gewisses Maß an Umgebungslärm auch hilfreich sein kann. Demnach haben sich Leistungen von Schulkindern mit Aufmerksamkeitsschwächen durch Hintergrundrauschen sogar verbessert.

Meine Kids haben beide gerne das Radio leise an, wenn sie Hausaufgaben machen oder lernen, ich habe das immer geduldet, weil sie ja selbst wissen müssen, was ihnen gut tut und was nicht. Und siehe da, sie haben recht.

Laut den Forschern rund um Göran B.W. Söderlund von der Stockholm University gibt es aber auch einige Studienergebnisse, die diesen allgemeinen Erfahrungen widersprechen. Sie zeigen, dass Menschen von bedeutungslosen Umgebungsgeräuschen manchmal sogar profitieren können. So hätte etwa eine Untersuchung ergeben, dass sich die Leistungen von schwachen Schülern mit Aufmerksamkeitsproblemen durch Verkehrslärm im Hintergrund verbessert haben.

Ich kenne das bei mir vom Autofahren, wenn ich Musik höre, kann ich dem Verkehr besser folgen, bin aufmerksamer und gerate nicht so oft in Situationen in denen ich fast einen Unfall baue!

Es ist den Forschern zufolge nicht ganz einfach, diesen paradoxen Effekt zu erklären. Eine mögliche Erklärung ist psychologischer Natur: Das Hintergrundrauschen würde ganz allgemein die Aufmerksamkeit wecken, die Schüler also gleichsam wachrütteln und so der Langeweile entgegen wirken. Für Söderlund und seine Kollegen erfasst diese Theorie aber nicht alle Aspekte des Phänomens, in diesem Fall müssten nämlich alle von den Geräuschen profitieren. Wie es aussieht, wirkt die akustische „Störung“ aber nur bei manchen Individuen.

Wir ADHSler sind in so vielen Sachen so individuell und bei uns wirkt so manches paradox, dass mich das nicht wirklich wundert. Im Bezug auf mich habe ich dass Gefühl, dass es so ist, dass ein Sinneskanal belegt ist, mit etwas das (da ich mich nicht drauf konzentrieren muss) meine Aufmerksamkeit nicht abverlangt und ich so meine Ressourcen auf das Wichtige lenken kann, bei mir der Verkehr, bei meinen Kindern der Schulstoff.

Für Kinder mit Konzentrationsschwäche oder ADHS wäre der Hintergrundlärm als Lernhilfe aber in jedem Fall ein harmloses Mittel im Vergleich zu gängigen medikamentösen Therapien.

Ganz nett der Kommentar, und bestimmt gut gemeint. Zu Hause kann ich auch jederzeit die Umgebung so gestalten dass es vielleicht (!) ohne Medis geht. Aber das Leben findet nicht (nur) zu Hause statt. In der Schule und im Straßenverkehr beim Radfahren lässt sich das leider nicht umsetzen. Das hier ist wie vieles andere nur ein Aspekt des ADHS. Es ist schön und hilfreich wenn man um diese Kompensationsmöglichkeiten weiß und sie gezielt einsetzen kann, das bringt uns im Leben ein Stück mehr an einen Normalzustand heran. Aber Methylphenidat greift noch in so vielen anderen Lebensbereichen, dass man es nur weil hier ein kleines Stück anders abgedeckt werden kann nicht gleich weglassen kann.

Den ganzen Bericht findet ihr hier

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2 Kommentare leave one →
  1. Oktober 9, 2010 4:32 pm

    je länger ich bei dir lese, desto sicherer werde ich mir, daß ich an einer leichten form von adhs leide… ich habe als kind [und auch heute noch!] immer gern in der küche gesessen, wenn die spülmaschine lief. da konnte ich besser lesen.

  2. Oktober 23, 2010 11:55 pm

    Genauso gehts mir auch. Bei mir wurde in der Kindheit ADHS diagnostiziert.
    Da ich in der Uni Bib meist produktiver bin als zuhause lerne ich so oft ich mich aufraffen kann eben dort. Ich habe ein einziges mal Ohrenstöpsel getestet (weil alle um mich herum auch welche hatten). Ich wäre fast durchgedreht, ich hab nur mein Herz gehört und sonst nichts und ich fand es mega unangenehm. Wenn ich sonst lerne mache ich mir gern Musik an, auch um mich ggbfls etwas zu pushen. Ich find totale Stille einfach unangenehm bzw ich langweile mich auch sehr viel schneller ohne Musik.

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