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Was bleibt ist die Trauer

August 31, 2010

Meine Kindheit war keine, sie war geprägt von seelischem und körperlichen Missbrauch. Lange verdrängt stürzte mich diese Erkenntnis vor ein paar Jahren in eine tiefe Krise. So sehen Kinder das was sie erleben, vor allem von Seiten der geliebten Menschen als richtig an. Mit meinen eigenen Kindern wurde mir vieles bewusst, weil ich es anders machte, was falsch war. Letztes Jahr habe ich dann den Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie ganz abgebrochen.

Ich habe meine Mutter nun 1,5 Jahre nicht mehr gesehen. Neulich war ich mit dem Rad unterwegs und kam auf dem Rückweg meiner Tour durch die Stadt, als meine Mutter einmal aus der Apotheke auf den Gehweg trat. Die Vergangenheit holte mich ein, wie ein Schlag ins Gesicht. Ich blickte Ihr in die Augen und ich glaube sie erkannte mich nicht, in MTB-Kleidung, verdreckt, mit Kopftuch und Helm.

Mir stiegen die Tränen in die Augen als ich sie sah, da war aber kein Hass mehr, keine Verzweiflung, keine Schuldgefühle mehr. Es was die pure Trauer die mich überwältigte, über das was geschehen war, darüber dass ich nie eine richtige Mutter hatte die mich als Kind in den Arm genommen hat (ich kann mich in der Tat nicht daran erinnern, wann sie dass das letzte mal getan hatte, sonder weiß nur dass ich als Kind immer Angst davor hatte das bei ihr zu tun, weil ich immer das Gefühl hatte das sei falsch, so was tut man nicht) oder die mich liebte.

In dem Moment, in dem mir die Tränen hoch stiegen spürte ich, dass es vorbei ist, dass ich die Vergangenheit zwar als zu mir gehörend akzeptiere, aber das mein Leben heute damit nichts mehr zu tun hat. Es fühlte sich „geheilt“ an. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

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5 Kommentare leave one →
  1. Ulrike Schüttpelz permalink
    August 31, 2010 8:03 am

    Verzeihen, Vergebung ist der Schlüssel, das habe ich auch erfahren und es öffnet die Tür zu meinem Herzen und damit zum Herzen des anderen…vielleicht kannst du noch einen Schritt weitergehen und sie dann in den Arm nehmen.. noch ist die Chance da!!!
    Viel Kraft und Mut dazu!!!
    Herzlichst Ulrike;-)

  2. August 31, 2010 8:10 am

    Frau Schüttpelz, nein ich glaube Sie verwechseln da was. Ich empfinde Trauer, Trauer über die verlorene Kindheit, die Liebe die fehlte, die Gewalt die statt dessen da war. Meiner Mutter (mein Vater verstarb als ich Teenager war) gegenüber ist da Gleichgültigkeit oder Gleichmut. Ich verspüre in keinster Weise das Bedürfniss diese Frau in den Arm zu nehmen. Das ist vorbei.

    Nicht ich muss ihr verzeihen, die Frage ist, ob Sie sich verzeihen kann…

    Ich habe damit abgeschlossen.

  3. September 9, 2010 1:38 pm

    Deine Antwort ist goldrichtig. In der Bibel heißt es ja zwar, dass du auch noch die zweite Wange hinhalten sollst, wenn du schon auf der ersten kräftig geprügelt wurdest – aber so blöd kann man doch heute nicht mehr sein.
    Wenn, dann wäre es an der Mutter, diesen Schritt zu tun und um Vergebung zu bitten, förmlich zu flehen.
    Und wenn sie Glück hat, bekommt sie welche – aber ich würde es noch nicht mal als Pech bezeichnen, wenn sie die nicht bekommt.
    Als Erwachsener ist man für seine Handlungen voll verantwortlich, liebe Frau Schüttpelz.

  4. September 10, 2010 9:28 am

    Na ja Himmelhoch, ich bin ja auch Atheisten, zwar weniger wegen dummen Bibelsprüchen, aber irgendwie bestätigt mich dass 😉

    <<Wenn, dann wäre es an der Mutter, diesen Schritt zu tun und um Vergebung zu bitten, förmlich zu flehen.<<

    Das würde mich ziemlich kalt lassen, wenn es Ihr wichtig wäre würde sie "Vergebung" bekommen, mir wäre das gleich. Ich habe damit abgeschlossen, da ist weder Hass noch sonst was.

    Seinen Frieden kann man doch nur finden, wenn man sich selbst verzeihen kann…

Trackbacks

  1. Von damals – bis jetzt « Verhaltensoriginell oder vielleicht doch ADHS?

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