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Gute Noten in der Schule sind zweitrangig

Juli 4, 2010

Ein Argument bzw. eher ein Vorwurf, der auch immer mal wieder gelesen oder gehört wird, wenn es um die medikamentöse Therapie des ADHS geht:

Das Kind werde gedopt um gute Schulnoten zu schreiben.

Das ist ziemlich großer Unsinn. Die Leistungen in der Schule sind zwar wichtig, aber bei der Entscheidung ob man Methylphenidat gibt oder nicht eher zweitrangig. Schlechte Schulnoten sind eher als eines von vielen Symptomen eines ADHS zu werten. Am wentlichsten bei meinen Entscheidungen für die Medikamente war immer der Leidensdruck, der ein Kind schon in eine Depression treiben kann.

Wenn ich dann von solchen solchen Auslegungen einer Studie lese, fallen mir erst mal gar keine Worte ein, wie ich das überhaupt finde:

http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/ads-adhs-ritalin/

Daraus:

Das Erkenntnisinteresse von Richard Scheffler ist jedoch anders gelagert: Sein Forschungsgebiet ist die Ökonomie des Gesundheitswesens (Biographie Prof. Scheffler (pdf)), somit stellen sich für ihn eher Fragen, wie man das Gesundheitssystem finanziell entlasten kann. Zwar sei medikamentöse Behandlung von ADS/ADHS nicht die zwingende Antwort, betont er; ganz klar ist aber die Präferenz der Methyphenidat-Therapie, „weil die frühe schulische Entwicklung für die weitere Laufbahn oft ausschlaggebend ist.“ (dnews.de 27.04.2009: ADHS-Kinder leisten mehr mit Medizin) Dass durch alternative Heil- und Behandlungsmethoden langfristig deutlich mehr Kosten eingespart werden können, liegt außerhalb des Horizonts des US-amerikanischen Forschers. Inwieweit er darüber hinaus gute Kontakte zur Pharmaindustrie pflegt, ist nicht bekannt.

Aha! Da kommen mir doch gleich ein paar Fragen in den Sinn:

1. Welche alternative Therapie oder Behandlungsmethode kann Methylphenidat ersetzen?

2. Wollen wir nun auf Kosten der Kinder unser Gesundheitssystem sanieren? (Es ist schon eine Zumutung das Erwachsene ihr Methylphenidat selbst bezahlen müssen, obwohl eine Wirksamtkeit längst belegt ist, ein Witz dass das noch immer als Off Label Use erfolgen muss)

3. Sind die „alternativen Behandlungsmethoden“ wirklich billiger? Ich glaube da liegt ein Missverständnis vor! Unnützes Zeug, dass zu dem noch sehr teuer ist (als Anhaltspunk: Eine Monatspackung Ritalin LA 30 kostet ca. 36 Euro)

4. Warum muss jeder der eine medikamentöse Therapie befürwortet gleich mit der Pharmaindustrie verbandelt sein? (Das ist ja mittlerweile das Totschlagargument schlechthin und wird hier ohne Zweifel indirekt suggeriert)

5. Ist es zum Kotzen so etwas in einer Lehrerzeitschrift zu lesen, unsere Pädagogen sind im Bezug auf ADHS schon uninformiert genug.

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2 Kommentare leave one →
  1. Juli 26, 2010 7:59 pm

    Vergleichen wir einmal:
    Wenn wir einem fehlsichtigen Kind eine Brille aufsetzen, damit es lesen kann, was an der Tafel steht, müsste es doch genauso als gedopt gelten, wenn es daraufhin – weil es nun klar sehen kann – bessere Noten schreibt als ohne Brille, nicht wahr?

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  1. ADHS und Ritalin 2

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